Pelargonii sidoidis radix

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Prof. Dr. med. Martina Bacharach-Buhles

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Zuletzt aktualisiert am: 05.01.2025

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Synonym(e)

Afrikanische Pelargonienwurzel; Afrikanische Umckaloabowurzel; Pelargonienwurzel Afrikanische; Pelargonii radix; Pelargonii reniformis radix; Umckaloabowurzel Afrikanische

Definition

Immunstimulierend wirkende Wurzel der Kapland-Pelargonie.

Historie: Der lungenkranke Engländer Charles Henry Stevens wurde im Jahr 1897 von einem einheimischen Arzt in Südafrika, Mike Chichitse (Kijitse), von seiner Lungenkrankheit kuriert. Er versuchte das Mittel in England ein zu führen, publiziert in Secret remedies. Es begann ein jahrezehntelanger medizinischer und juristischer Streit, nachzulesen, [Newsom SWB (2002)].

Im Jahre 1930 von Dr. Adrien Sechehaye publizierte Studie an 800 Patienten zur Behandlung der Tuberkulose. Phytotherapeutisch wird Umckaloabo heute zur Behandlung von Erkältungen mit Atemwegsbeschwerden eingesetzt.

Qualität ist im Europäischen Arzneibuch festgelegt.

HMPC-Monographie: Traditional-use: banale Erkältung
zugelassen, belegt durch klinische Studien: aku­te Bronchitis. in Diskussion: Nasen­nebenhöhlen­entzündungen
ESCOP-Monographie: Atemwegsinfektionen, banale Erkältungen, Halsschmerzen und Husten.
Kommission E: keine Monographie

 

Erfahrungsheilkunde: akute und chronische Bronchitis (Zulassungsindikation!) Sinusitis, Tonsillitis, Pharyngitis

Inhaltsstoffe

Umckaloabowurzel enthält Mineralstoffe (12 %), Saccharide (12 %), Proteine (10 %) und Cumarine (2 %). Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gallussäure, Gallussäuremethylester, Kieselsäurederivate, Phenolcarbonsäure (40 %) und Polyphenole. 

Wirkungen

Die Umckaloabowurzel wirkt immunstimulierend, weiterhin antiphlogistisch, antibakteriell, antiviral und sekretolytisch.

Anwendungsgebiet/Verwendung

Extrakte aus der  Umckaloabowurzel werden zur symptomatischen Therapie bei Erkältungskrankheiten eingesetzt (Empfehlung nach HMPC); weiterhin bei akuten und chronischen Bronchitis, bei Sinusitiden, Tonsillitiden,  und bei  Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut. Zu diesen indikationen liegen 29  klinische Studien mit über 10.000 Patienten (4.000 Kinder)  vor (Timmer A et al. 2013). 

Dosierung

Cave: laut EMA nicht für Kinder unter 6 Jahren geeignet.

Laut Packungsbeilage:

Lösungen: Kinder (1. und 5. Lebensjahr) maximal 3 x täglich 10 Tropfen einnehmen; Knder  6. und 12. Lebensjahr) 3 x täglich 20 Tropfen; Kinder (ab 12. Lebensjahr und Erwachsene) 3 x täglich 30 Tropfen.
Trockenextrakt 20mg: Kinder ab dem 12. Lebensjahr und Erwachsene: 3 x täglich eine ED (z.B. als Tablette).

Saft: Kinder zwischen dem 1. und 6 Lebensjahr: 3 x täglich 2,5 ml; Kinder zwischen dem 7. und 12. Lebensjahr 3 x täglich 5 ml.

Unerwünschte Wirkungen

In einigen Fällen wurde eine Erhöhung der Leberwerte beobachtet. Leichte Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Oberbauchbeschwerden, Übelkeit oder Erbrechen, Dysphagie), leichte Nasen- und Zahnfleischbluten, allergische Reaktionen.

Kontraindikation

Allergie gegen einen der Bestandteile, Kinder unter 6 Jahre, keine ausreichende Datenlage für Schwangerschaft und Stillzeit.

Cave Lebererkrankungen.

Wechselwirkungen

Bei einer parallelen Einnahme von Antikoagulantien vom Cumarintyp ist theoretisch eine Verstärkung der blutgerinnungshemmenden Wirkung möglich, sie wurde jedoch noch nicht festgestellt.

Literatur
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  1. Schilcher H (2016) In: Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag München, S. 327 ff.
  2. Timmer A et al. (2013) Pelargonium sidoides extract for treating acute respiratory tract infections.
    Cochrane Database Syst Rev.10:CD006323.
  3. https://arzneipflanzenlexikon.info/kapland-pelargonie.php
  4. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-monograph/final-european-union-herbal-monograph-pelargonium-sidoides-dc/pelargonium-reniforme-curt-radix-revision-1_en.pdf
  5. Wenigmann M. (2017) Phytotherapie Arzneidrogen, Phytopharmaka, Anwendung. Urban & Fischer, S.168-169
  6. Newsom SWB (2002) Stevens' cure: a secret remedy J R Soc Med. 95(9): 463–467.  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1279998/
  7. Sechehaye A. (1930) The Treatment of Pulmonary and Surgical Tuberculosis with Umckaloabo. Internal Medication - Stevens' Cure
  8. ‘An English Physician’ (1931)  Tuberculosis, Its Treatment and Cure with the Help of Umckaloabo (Stevens). London: B Fraser & Co
  9. Sechehaye A. (1948)  Le traitement des affections tuberculoses par l'umcka. Geneva: R Cavadini
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