Synonym(e)
Definition
Bromelain ist eine Kombination aus mehreren Thiol-Endopeptidasen, einem Gemisch aus Enzymen aus der Familie der Proteasen und anderen Verbindungen, die aus der Frucht, dem Stamm und/oder der Wurzel der Ananas gewonnen werden, daher stammt das Synonym Ananas-Enzym. Hierbei handelt es sich um sulfhydrylhaltige Cysteinproteasen (Glykoproteine). Ursprünglich bezog sich der Begriff Bromelain speziell auf das aus dem Stamm, den Fruchtstielen, gewonnenene Enzymgemisch von Ananas cosmosus (Fam Bromeliaceae). Bromelain ist in Wasser schwer, in Ethanol und Ether kaum löslich. Das Enzym entwickelt seine optimale proteolytische Aktivität im Bereich von pH 4 -10.
Ebenfalls als Bromelain werden die aus der Ananas gewonnenen Extrakte bezeichnet, die neben den Cysteinproteasen zusätzlich Papain-ähnliche Endopeptidasen, mehrere Protease-Inhibitoren, eine Peroxydase, saure Phosphatase und organisch gebundenes Kalzium enthalten .
Kommission E-Monographie: akute Schwellungszustände, postoperativ, posttraumatisch, v.a. Gesichtsbereich, Nasennebenhöhlen.
Erfahrungsheilkunde: Sportverletzungen, traumatische Ödeme, Thrombophlebitiden, rheumatischer Formenkreis, Verdauungsbeschwerden bei Pankreasinsuffizienz.
Studien: Entzündungshemmung und Knorpelprotektion bei Osteoarthritis und rheumatoider Arthritis.
Am 14. Dezember 2018 erteilte die Europäische Kommission der MUCPharm Pty Ltd, Vereinigtes Königreich, die Orphan-Drug-Ausweisung für Bromelain zur Behandlung von Pseudomyxoma peritonei.
Wirkungen
Bromelain wirkt entzündungshemmend und abschwellend, schmerzstillend und knorpelprotektiv.
In klinischen Studien wurde die entzündungshemmende, chondroprotektive Wirkung von Bromelain nachgewiesen, speziell bei Osteoarthritis und rheumatoider Arthritis. Der Wirkmechanismus beruht auf der Herunterregulierung der Expression entzündlicher Zytokine (Tumornekrosefaktor (TNF)-α, IL-1β, IL-6, IL-8, IL-1β und Interferon γ in synovialen Fibroblasten) und der NF-κB- und MAPK-Signalgebung. Die zeitgleiche analgetische Wirkung beruht auf der Reduktion der Gefäßdurchlässigkeit für Bradykinin bei Reduktion der Bildung von Bradykinin. Die Werte von Superoxiddismutase, Katalase und Prolidase werden gesenkt. Im Tiermodell konnte der Abbau von Knorpelmatrix im entzündeten Knorpel nachgewiesen werden (Pothacharoen P et al. 2021; Savadjan SA et al. 2023).
Bromelain und die mit ihm exogen zugeführten Enzyme werden zum Teil als intakte Proteine über den Magendarmtrakt resorbiert. Beim Menschen lassen sich messbare Konzentrationen der Bromelain-spezifischen Proteasen mittels quantitativer Bestimmungsverfahren proportional zur verabreichten Dosis detektieren (Castell 1997). Die höchsten Bromelain-Blutkonzentrationen finden sich ca. 1 Stunde nach der oralen Gabe. Im Blut wird Bromelain rasch an das alpha2-Makroglobulin (AMG) komplexiert wobei die spezifische Enzymaktivität jedoch erhalten bleibt (Kelly GS -1996; Maurer HR 2001). Die Bromelain-Effekte sind bereits 20-60 Minuten nach oraler Applikation nachweisbar und nach ca. 24 Stunden wieder abgeklungen.
Bromelain-Effekte werden als antiödematös, antiinflammatorisch, antithrombotisch und fibrinolytisch beschrieben (Cooreman WM-1976, Leipner J et al.2001, Taussig SJ 1998). Die Vielzahl von präklinischen, pharmakologischen, tier- und zellexperimentellen Befunden bieten eine sichere wissenschaftlich begründeten Basis für weitere randomisierte und kontrollierte klinische Interventionsstudien.
Auch interessant
Anwendungsgebiet/Verwendung
Das Monopräparat Bromelain wurde im Jahre 1994 durch die Kommission E monographiert mit Vorschläge für Dosierung und Indikationen.
- Systemischer Einsatz: Arzneilich werden Bromelainpräparate bevorzugt als Begleittherapie bei Erkrankungen mit entzündlichen, posttraumatischen und -operativen Weichteilödemen eingesetzt. Sie sind somit auch medizinisch und v.a. sportmedizinisch und traumatologisch von Interesse. Die Bromelaingabe stellt in der Behandlung von Sportverletzungen mit posttraumatischen Schwellungs- und Ödemzuständen eine Alternative zur Therapie mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) dar.
- postoperative Schwellungen für 4-5 Tage
Studien sprechen für den Einsatz bei Gelenkentzündungen wie rheumatischer Arthritis und Psoriasisarthritis.
Weiterhin:
- Substitutionstherapie bei Verdauungsstörungen
- Technisch kommt die Droge in der Vorbehandlung von Fleisch (Weichmachereffekt) zum Einsatz.
Unerwünschte Wirkungen
Als vorrübergehende Nebenwirkungen werden neben allergischen Reaktionen gelegentlich auftretende gastrointestinale Symptome wie Durchfälle und Magenbeschwerden beschrieben.
Verlängerung der Blutungszeit verlängert, Verringerung der Thrombozytenaggregation
Absetzen vor geplanten Operationen!
Normkonzentration
Initialdosis 4x40mg/p.o./Tag; Erhaltungsdosis 4x20mg/p.o./Tag
Bromelain Pos 1 Kps enthält 500 F.I.P. Einheiten, entsprechend 56,25-95 mg Bromelain
Kontraindikation
Einnahme von Gerinnungshemmern. Mögliche Überempfindlichkeit gegen Bromelain. Schwangerschaft, Laktation (hierzu liegen keine klinischen Angaben vor). Geplante Operation
Wechselwirkungen
MöglicheVerstärkung der Blutungsneigung bei gleichzeitiger Therapie mit Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern.
Handelsnamen
Monopräparate:
- Bromelain-POS®, Traumanase®, Traumanase forte®, Wobenzym mono® (D), Bromelain-R.A.N®.
Kombinationspräparate:
- Innovazym® , Phlogenzym®, Wobenzym®, DOG TG
LiteraturFür Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir
Kopernio

- Castell JV et al. (1997) Intestinal absorption of undegraded proteins in men: presence of bromelain in plasma after oral intake. Am J Physiol 273 139-146.
- Chandler DS et al. (1998) Bromelain protects piglets from diarrhea caused by oral challenge with K88 positive enterotoxigenic Escherichia coli. Gut 43: 196-202.
- Cooreman WM etg al. (1976) Bromelain, biochemical and pharmacological properties. Pharm Acta Helv 51: 73-97.
- Kelly GS (1996) Bromelain: A literature review and discussion of its therapeutic applications. Alt Med Rev 1: 243-257.
- Leipner J et al. (2001) Therapy with proteolytic enzymes in rheumatic disorders. Bio Drugs 15: 779-789.
- Maurer A (1996) On the bioavailability of bromelain containing in two different formulas after multiple oral dosage. Eur J Clin Pharmacol 50: 549.
- Maurer HR (2001) Bromelain: biochemistry, pharmacology and medical use. Cell Mol Life Sci 58: 1234-1245.
- Pavan R et al. (2012) Properties and therapeutic application of bromelain: a review. Biotechnol Res Int:976203.
- Rathnavelu V et al. (2016) Potential role of
- bromelain in clinical and therapeutic applications. Biomed Rep 5:283-288.
- Taussig SJ et al. (1988) Bromelain, the enzyme complex of pineapple (Ananas comosus) and its clinical application. An update. J Ethnopharmacol 22:191-203.
- Wenigmann M. (2017) Phytotherapie Arzneidrogen, Phytopharmaka, Anwendung. Urban & Fischer, S. 90
- Pothacharoen P et al. (2021) Bromelain Extract Exerts Antiarthritic Effects via Chondroprotection and the Suppression of TNF-α-Induced NF-κB and MAPK Signaling. Plants (Basel). 23;10 :2273. doi: 10.3390/plants10112273. PMID: 34834636; PMCID: PMC8625807.
- Savadjan SA et al (2023) The effects of bromelain on osteoarthritis symptoms: A systematic review. Journal of Shahrekord University of Medical Sciences 25:149-155. DOI:10.34172/jsums.2023.789
- Varilla C et al. (2021) Bromelain, a Group of Pineapple Proteolytic Complex Enzymes (Ananas comosus) and Their Possible Therapeutic and Clinical Effects. A Summary. Foods. 23;10(10):2249. doi: 10.3390/foods10102249. PMID: 34681298; PMCID: PMC8534447.